Die alte Dame

11.11.2019
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Vor ein paar Tagen rief mich eine fast 80jährige Dame an. Sie hatte meinen Artikel zum weißen Teppich gelesen und fand, dass es doch nicht so einfach sei, wie von mir beschrieben.


Sie erzählte mir, dass sie immer wieder Ärger mit ihrer Tochter (verheiratet, zwei Kinder) habe. Zeitweilig wären die Besuche ganz nett und unterhaltsam. In den letzten Jahren jedoch mehrten sich Zwischenfälle in der Form, dass ihre Tochter sie einfach beschuldige. Vermehrt Unwahrheiten und Behauptungen aufstelle, die einfach so nicht stimmen würden. Bis dahin, dass es zu nächtlichen Anrufen käme, meist im angetrunkenen Zustand, mit den wildesten Beschimpfungen.

 

Sie käme sich geradewegs so vor, wie in meinem Artikel beschriebene, der den netten Bekannten ins Haus lässt und der dann den Eimer mit Dreck auf den weißen Teppich ausschüttet.
Klar ist ihr, dass es immer mal wieder zu Meinungsverschiedenheiten komme, dass hätte sie schließlich mit ihrer zweiten Tochter und ihrem Sohn auch wohl mal. „Dann wird vernünftig darüber gesprochen, ausdiskutiert und gut ist’s“


Die große Frage ist, die die gute Dame beschäftigt, wie sie das Problem für sich lösen kann.

 

Meine „Antwort“ war eine Gegenfrage – wollen sie das wirklich lösen. „Natürlich“! Allein wenn sie darüber sprechen würde, wäre sie innerlich unruhig und ängstlich. Sie könne einfach nicht mehr und habe jetzt schon vor dem nächsten Telefonat große Befürchtungen. Ständig würde sie darüber nachdenken, wie das mal werden soll. Oder auch, was sie falsch gemacht habe. Sie würde ständig nach Erklärungen suchen, jedoch nichts finden. An sich zweifeln und unentwegt grübeln.


Immer wieder habe sie ihrer Tochter die Hand gereicht, hätte klein beigegeben. Doch das Resultat dessen sind noch mehr Beschimpfungen und Anfeindungen.

Gut gemeinte Worte oder auch der Hinweis, dass sich ihre Tochter jemanden anvertrauen solle, sich Hilfe holen möchte, wurde Seitens derer abgelehnt, verlacht und als entwürdigend dargestellt. Sie hätte schließlich kein Problem, sondern die Mutter.

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Schauen sie, sagte ich, sie haben ihr Leben mit Höhen und Tiefen gelebt und sind im Lebensabend angekommen. Nur durch Entbehrungen konnten sie sich einiges leisten, musste also auch für ihren weißen Teppich richtig sparen. Sie freuen sich relativ gesund und munter den Ruhestand zu genießen, sich an besuchen von Kindern und Enkelkindern zu erfreuen. Jetzt kommt jedoch ihre Tochter daher und beschimpft und beleidigt sie. Stört ihre Abendruhe und ihren inneren Frieden. Wie lange wollen sie sich das noch gefallen lassen? Wie oft erlauben SIE, dass ihre Tochter ihren Teppich beschmutzt.


„Ich erlaube es ihr nicht“, fuhr die gute Dame dazwischen. Doch, entgegnete ich. Denn wenn sie für sich nicht einstehen, wenn sie ihren weißen Teppich nicht verteidigen, so wie in meinem Beispiel beschrieben, wird immer und immer wieder ihre Tochter kommen, sie beschimpfen und dadurch ihren Teppich, ihre Seele beschmutzen.


„Aber wie soll ich alte Frau denn meinen Teppich verteidigen und außerdem ist es doch meine Tochter“, so die Reaktion.


Genau – und sie sind die Mutter – oder? Wenn es also keine vernünftige Möglichkeit gibt, mit ihrer Tochter zu reden, bleibt nur eines, den Kontakt abzubrechen. Auf Telefonanrufe nicht mehr zu reagieren bzw. wenn sie merken, dass Gespräch geht in die falsche Richtung, STOPP sagen, so nicht weiter oder ich lege den Hörer auf.

 

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Für die meisten Menschen ist es schwierig, sich abzugrenzen, für sich einzustehen. Das gilt für Mütter bzw. Väter zu ihren Kindern, genauso wie umgekehrt, Kinder, die sich von ihren Eltern abgrenzen sollten. Mit nahen Verwandten, also Kinder, Eltern, Geschwister oder auch Großeltern, ist das sehr schwierig. Weil diese Personen einem so nahestehen. Aber auch mit Kollegen, Freunden, Chefs, ist es oftmals nicht einfacher sich zu distanzieren oder die Arbeitsstelle, den Verein zu wechseln.
Der Grund dafür ist, die eigene Verletzlichkeit und Scham. Weil dann die Gedanken kreisen, was sagen die Leute, wie finde ich andere Freunde, einen neuen Job, was denkt die Familie…

 

Sind wir einige Zeit diesen Gedanken gefolgt, haben das Problem mit jemanden betratscht, ist es auch nur noch halb so schlimm. Bis dann der nächste Wutausbruch oder die nächste Beschimpfung folgt und man wieder wie ein begossener Pudel dasteht. So gehen die Jahre ins Land…


Im Falle ihrer Tochter würde ich ihnen raten, nochmals das Gespräch zu suchen und ihr unmissverständlich verdeutlichen, dass sie diese Art der Kommunikation absolut missbilligen. Das ist ganz sicher nicht leicht, hat jedoch viel mit Selbstachtung, Selbstliebe zu tun.
Wenn wir Ziele erreichen wollen, was es auch ist, müssen wir zuallererst zu uns selbst stehen. Ich meine nicht nur Ziele, die einen monetären Hintergrund haben, also mehr Erfolg, mehr Geld, etc. Für mehr Gesundheit im Leben, das kann ebenfalls ein Ziel sein, muss ich auch zu mir selbst stehen. Es gibt in unserem Leben viele Situationen, in denen ich zu mir selbst stehen kann und muss, weil ich sonst mein Ziel nicht erreiche, meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen.


Ein 100-Meter-Läufer hat die Absicht unter den ersten drei durchs Ziel zu kommen. Wenn er sich mit Menschen umgibt, die nicht an ihm glauben, die ihm immer wieder erzählen, dass er es eh nicht schaffen werde, dann kommt er evtl. unter den letzten dreien durchs Ziel. Wahrscheinlich gibt er vorher auf – hat ja doch keinen Zweck.


Während meiner Ausbildung zum Coach sprach der Trainer immer wieder davon, eine Liste anzufertigen, auf der die Menschen stehen, die mir nicht guttun. Diese Menschen dann, soweit es geht, zu meiden. Sie sind wie Energieräuber und reden uns unsere Welt, unsere Träume und Ziele kaputt. Sie kommen daher und beschmutzen unseren weißen Teppich. Gehen anschließend nach Hause und tun so, als sein nichts geschehen. Kommt Dir das auch bekannt vor?

Kompass

Konnte ich Deinen Blickwinkel wieder um 1° verändern?


Für Fragen stehe ich Dir gerne zur Verfügung.

 

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Erreichen von all dem was Du Dir wünscht.

 

Es ist ja bald Weihnachten ;-)

 

Liebe Grüße, Klaus-Dieter